Artikel über den Förderverein, die in der Wildeshauser Zeitung am Sonntag erschienen sind
Artikel vom 13.9.2009 - (Quelle: Sonntags Zeitung, Werbe-Plus-Verlags GMBH u. CO. KG, Oldenburg) ---> Originalartikel vom 13.9.09

Einzigartig und brisant
Dirk Faß übergibt Nachlass Hermann Hibbelers

Foto: Sichtung des (noch ungeordneten Schatzes im Museum Urgeschichte-Neuzeit: Dirk Faß (links), Archivpfleger der Gemeinde Großenkneten, hat jetzt Hans-Werner Beissert (rechts) vom Museum Urgeschichte-Neuzeit in Kleinenkneten den Nachlass von Hermann Hibbeler (1884-1963) übergeben. (Foto: Manns)

Kleinenkneten/ma. „Dieser außergewöhnliche, hochinteressante und auch brisante Nachlass ist einzigartig und eine äußerst wertvolle Bereicherung meiner Arbeit!“, zeigte sich der Wildeshauser Achäologe Hans-Werner Beissert begeistert. Am Mittwoch hat Dirk Faß an Hans-Werner Beissert vom Museum Urgeschichte – Neuzeit in Wildeshausen-Kleinenkneten den archäologischen Nachlass von Hermann Hibbeler übergeben.
Hermann Hibbeler  (1884-1963)  war Hauptlehrer an der Volksschule in Lethe, das heute – nahe Ahlhorn gelegen – zur Gemeinde Großenkneten gehört. Dirk Faß wiederum ist der Archivpfleger der Gemeinde Großenkneten und zudem engagierter Heimatforscher. Und so lag es offenbar für die Kinder von Hermann Hibbeler nahe, die regional-archäologischen Unterlagen ihres Vaters vor rund zehn Jahren in die vertrauensvollen Hände von Dirk Faß zu geben.

Hermann Hibbeler war Teil der Grabungsgruppe, die unter der Leitung von Karl Michaelsen, seinerzeit Direktor des Museums für Naturkunde und Vorgeschichte in Oldenburg,  in den Jahren 1934 bis 1939 die „Großen Steine“ von Kleinenkneten freilegte. Auch die während dieser Grabung von Hibbeler angefertigten Zeichnungen und Handskizzen sind Teil des Nachlasses, den Dirk Faß jetzt an Hans-Werner Beissert übergeben hat. Zudem besteht der Nachlass aus historischen Fotos, Grundrissen und Zeitungsausrissen von archäologischen Funden von Großsteingräbern.
Kulturhistorisch bedeutsam sind auch die Skizzen und Beschreibungen, mit der Hibbeler seine Hypothese belegen wollte, bei den Großsteingräbern (bei Kleinenkneten) handele es sich um „germanische Kulthallen“. Dabei sollen die Findlinge die Einfassung für Holzwände mit riesigem Reetdach gewesen sein – ähnlich wie bei einem überdimensionalen Schafkoben oder einem Vorläufer des niedersächischen Langhauses.
Einer Hypothese, deren Richtigkeit auch der Architekt Hermann Wille beweisen wollte. In seinem 1933 erschienenen Buch „Germanische Gotteshäuser zwischen Weser und Ems“ behauptete der gebürtige Oldenburger, die Großsteingräbern der Region seien Reste germanischer Tempelanlagen. Um die Urheberschaft dieser Hypothese entbrannte seinerzeit zwischen Hibbeler und Wille ein vehementer Streit.
Tatsächlich ist bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts belegt, dass die Hünengräber aus der Jungsteinzeit stammten und als Grabstätten dienten. Kritiker werfen den Anhängern der Hypothese der „germanische Kulthallen“ eine Verblendung durch die nationalsozialistisch Ideologie vor.

 


zuletzt geändert am  14.9.09