Artikel über archäologische Themen rund um Wildeshausen, die in der Nordwest Zeitung erschienen sind


Artikel vom 7.9.2010 - Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline
Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

Mit Feuereifer und ein bisschen Heimweh
Abenteuer    20 Schüler aus Hamburg beim Archäologiecamp in Dötlingen – Leben wie in der Steinzeit
Den Jugendlichen werden Ausgrabungstechniken vermittelt. Außerdem lernen sie, wie man in der Wildnis überleben kann.
VON CHRISTOPHER DEEKEN

DöTLINGEN - Ein Leben ohne Internet, Fernseher und Handy: Was für viele Jugendliche wohl die Horrorvorstellung schlechthin bedeutet, ist für 20 Schüler der Reformschule Winterhude aus Hamburg zumindest vorübergehend Realität geworden. Auf einer kleinen Lichtung inmitten eines Dötlinger Waldstücks an der Hunte haben sie seit zwei Wochen im so genannten Archäologiecamp ihr Quartier bezogen. Bis zum Sonnabend noch bekommen sie dort neben grundlegenden Ausgrabungstechniken Tipps zum Überleben in der heimischen Wildnis vermittelt.
„Das Wetter hat uns übel mitgespielt“, sagt Archäologe und Campleiter Ullrich Masemann. In den ersten eineinhalb Wochen habe es so heftig und ausdauernd geregnet, dass es weniger um archäologische als um elementare Dinge ging. Schutz vor Kälte und Nässe sei während dieser Zeit das Hauptziel gewesen, erklärte Masemann. Zu diesem Zweck habe man eigens ein großes Zelt aufgebaut, in dem die nassen Klamotten trocknen konnten. Außerdem habe man die Sachen in den Räumlichkeiten der Bäckerei Brockshus aufhängen dürfen. „Das war wirklich ganz toll“, bedankt sich Masemann für die spontane Hilfsbereitschaft.
Doch mittlerweile grüßt über Dötlingen nur noch ein azurblauer Himmel, von weiteren Regengüssen blieben die Winterhuder Schüler in den vergangenen Tagen verschont – Gelegenheit genug also für die Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren, sich an die vielfältigen Aufgaben heranzumachen.
Die reichen vom Bau eines Steinzeithauses und eines Brotbackofens bis hin zum Errichten eines ganzen Grabhügels. Auch eine Exkursion zu den Großsteingräbern der Glaner Braut stand auf dem Programm. In vier Gruppen aufgeteilt bekommen die Schüler alle wichtigen Ausgrabungstechniken vermittelt, die ein Archäologe kennen muss. „Nach dem Camp sind die Schüler so weit, dass sie schon bei richtigen Grabungen als Hilfsarbeiter teilnehmen können“, erklärt Ullrich Masemann.
Und die Nachwuchsarchäologen sind mit Feuereifer bei der Sache: „Wir kratzen gerade den Boden aus. Dabei konnten wir sehen, dass das Gelände früher eingeebnet wurde“, berichtet Tim Hasche. Heimweh habe er nicht, doch die Vorfreude auf die Rückkehr ins heimatliche Elternhaus kann auch er nicht verbergen: „Am meisten freue ich mich auf eine Badewanne“, sagt der 13-Jährige und verweist auf das begrenzte Warmwasserangebot, das den Schülern zur Verfügung steht.
Probleme ganz anderer Art hat Samira Schmidt. „Ich wurde schon von zwei Zecken gebissen“, klagt die 14-Jährige. Und dennoch: Die Erfahrung, drei Wochen in der Wildnis zu leben, möchte sie nicht missen. „Ich nehme hier sehr viel für mich mit.“ Genau dies sei auch das Ziel der Winterhuder Reformschule, die ihre Schüler zu Beginn eines jeden Schuljahres durch verschiedene Projekte vor Herausforderungen stellt. Durch das Leben in der Gemeinschaft lernten sich die Schüler nicht nur besser kennen, sondern würden vor allem in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, erläutert der Sozialpädagoge der Reformschule, Dietmar Tietjens.
Mit der Axt Bäume zu fällen, war Marc Wooges persönliches Highlight des Archäologiecamps. Jetzt ist er mit der Aufgabe betreut, das Feuer im Brotbackofen in Gang zu halten. Mit einem Blasebalg pustet er unablässig Luft in den Ofen – dass er dafür im dichten Qualm ausharren muss, nimmt der 15-Jährige in Kauf: „Wir müssen ja etwas zu essen bekommen.“ Jeden Tag ist ein anderes Team für die Essenszubereitung zuständig. Von einem begrenzten Budget werden Nudeln oder Tomatensuppe gekocht. „Ursprünglich wollten wir uns komplett aus der Natur ernähren. Aber dann wäre hier keiner satt geworden“, gibt Ullrich Masemann zu. Immerhin: Zuweilen gibt es selbst gepflückte Brombeeren zum Nachtisch.


Artikel vom 7.9.2010 - Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline
Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

Schüler leben 3 Wochen wie in der Steinzeit
Bildung    20 Jugendliche aus Hamburg nehmen an einem Archäologiecamp in Dötlingen teil – Ohne Handy und PC
Die 14- bis 17-Jährigen lernen, wie sie in der Wildnis überleben können. Außerdem bekommen sie Ausgrabungstechniken vermittelt.
von Christopher Deeken

Dötlingen - Fernab von Handys, Fernsehen und Internet nehmen seit über zwei Wochen 20 Schüler der Winterhuder Reformschule in Hamburg an einem „Archälogiecamp“ im Dötlinger Wald (Landkreis Oldenburg) teil. Unter der Leitung des Archäologen Ullrich Masemann, des Sozialpädagogen der Reformschule Dietmar Tietjens und zwei Archäologiestudentinnen der Hamburger Universität lernen die Jugendlichen Praktiken zum Überleben in der heimischen Wildnis kennen und tauchen in vergangene Zeiten ein. Noch bis zum Sonnabend dauert das Camp.
Die Mädchen und Jungen zwischen 14 und 17 Jahren leben in einer kleinen Zeltstadt – dabei stellen sie einen Einbaum her, bauen einen Teil eines Steinzeithauses und einen Brotbackofen und errichten sogar einen ganzen Grabhügel. Bei der Essenzubereitung wechseln sich die Nachwuchs-Archäologen ab. Jeden Tag steht einem Team ein begrenztes Budget zur Verfügung; gekocht werden einfache Mahlzeiten wie Nudeln oder Tomatensuppe.
Ob Zeichnen, Fotografieren oder Messungen mit dem Nivelliergerät: In vier Arbeitsgruppen aufgeteilt, bekommen die Schüler alle wichtigen Ausgrabungstechniken vermittelt, die ein Archäologe kennen muss. „Nach dem Camp sind die Schüler so weit, dass sie schon bei richtigen Grabungen als Hilfsarbeiter teilnehmen können“, sagt Ullrich Masemann.


Artikel vom 26.7.2010 - Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline
Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

Zurück in die Steinzeit: Das Überleben lernen
Abenteuer Archäologiecamp schlägt ab 23. August sein Lager in den Dötlinger Wäldern auf – „Glaner Fürsten“
19 Schüler aus Hamburg verbringen drei Wochen im Freien. Die Idee kommt vom Archäologen Ulrich Masemann.
VON ULRICH SUTTKA

DöTLINGEN - Drei Wochen lang in der freien Natur ohne Kühlschrank und Supermarkt, ohne Fernseher, Internet und Handy: Auf dieses Abenteuer lassen sich 19 Schülerinnen und Schüler der Winterhuder Reformschule Hamburg, ein Sozialpädagoge, und zwei Archäologiestudentinnen der Universität Hamburg ab 23. August ein. Unter der Leitung des Archäologen Ulrich Masemann nehmen sie am Archäologiecamp Dötlingen 2010 teil. „Natur erleben – Im Reich der Glaner Fürsten“ ist das Experiment überschrieben, sich auf ungewöhnliche Weise den steinzeitlichen Großsteingräbern zu nähern.
Unter Anleitung der vier Experten werden die Jugendlichen Praktiken zum Überleben in den heimischen Wäldern lernen und vergangene Zeiten live erleben. Daher ist auch der Verzicht auf die Techniken des 21. Jahrhunderts angesagt, denn die Zeitreise führt zurück in die Steinzeit. „Zunächst muss sich die Gruppe auf einem unbekannten Gelände mit dichter Vegetation die simpelsten Grundlagen schaffen: Zelt- und Schlafplatz, Herdstelle und Essensversorgung“, so Ulrich Masemann. Dazu hat er eine Fläche rund 500 Meter von der Glaner Braut entfernt ausgesucht. Sie liegt inmitten einer Wiesen- und Waldlandschaft an der Hunte, nicht weit vom Dorf Dötlingen entfernt.

Spezielle Speisekarte
Bei der Ernährung kommt auf die Schüler auch eine gewaltige Umstellung zu. Statt Fast Food und Co. wird dann Hagebuttentee getrunken und über dem Feuer gegrilltes Fleisch mit Wildkörnerbrei und Löwenzahn-Sauerampfer-Salat und zum Nachtisch Waldfrüchte gegessen. Masemann: „Brot wird in einem Erdofen oder ganz einfach im Topf selbst gebacken. Wasser muss gesucht und aufbereitet, ein geeigneter Lagerplatz gefunden werden. Als Obdach dient ein mit Reisig bedecktes Gerüst aus Ästen, auch benötigte Werkzeuge werden selbst hergestellt.“
Die Teilnehmer am Archäologiecamp werden auch ausgraben, vermessen und fotografieren. Hinzu kommen Ausflüge zum größten bronzezeitlichen Gräberfeld Mitteleuropas, dem Pestruper Gräberfeld, und zu den Denkmälern der Steinzeit in der Geest.

Kenner der Gegend
Masemann sieht das Archäologiecamp als eine spannende Chance, die Jugendlichen praxisnah an die Themen Archäologie, Ökologie und Natur heranzuführen. Er selbst kennt sich in der Region sehr gut aus. So arbeitete er seit Oktober 2008 mit Projektverträgen im Naturpark Wildeshauser Geest. Zunächst ging es dabei um ein regionales Archäologiekonzept, inzwischen um eine archäologische Luftbildanalyse der Region.

Anmerkung des Webmasters: Ich hoffe, der Satz "Die Teilnehmer am Archäologiecamp werden auch ausgraben.." bezieht sich nicht auf die Glaner Braut. Die ist nämlich als Bodendenkmal geschützt. Dort zu graben stellt eine Straftat dar.


zuletzt geändert am  7.9.10