Artikel über urgeschichtliche Denkmäler und den Förderverein, die in der Nordwest Zeitung erschienen sind
Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)


Artikel vom  6.8.2010 - Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline

Der Neandertaler setzt aufs Netz
Internet
  Immer mehr Kultureinrichtungen nutzen Facebook, Twitter und Co.
Museen, Orchester oder Theater versuchen, im Web 2.0 neue Besucherschichten zu erreichen. Der Erfolg ist allerdings schwer messbar.
von Regina Jerichow

Oldenburg - Halbnackter Oberkörper und Lendenschurz, Speerspitze und Stirnwulst verraten den Steinzeitmenschen. Doch der knuffige Neandertaler auf der Homepage des Neander­thal Museums lebt längst nicht mehr so weit „hinterm Berg“, wie sein Äußeres vermuten lässt. Unter seinem Konterfei prangt in großen Lettern der Schriftzug „neanderweb“.
Das Museum in Mettmann hat offenbar erkannt, dass es die modernen sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. nutzen muss, wenn es sich nicht selbst irgendwann zurück in die Steinzeit katapultieren möchte. Und ist damit nicht allein: Immer mehr kulturelle Einrichtungen halten es für strategisch angebracht, auf diese Weise neue Besucherschichten anzusprechen.

Philharmoniker online
Zu den Ersten, die versucht haben, das Web 2.0 für sich nutzbar zu machen, gehören die Duisburger Philharmoniker, die damit auch international Aufsehen erregten. „Ich sah es als eine Chance, eine große Menge interessierter Leute zu erreichen“, so Intendant Dr. Alfred Wendel im Internet-Interview. Es sei eine Möglichkeit, mit dem Publikum „in den Dialog zu treten“. Ein externes, professionelles Web-Team treibt die Aktivitäten der Philharmoniker im Netz konsequent voran. Mit messbarem Erfolg, was etwa die täglichen Userzahlen des Philharmoniker-Blogs betrifft. Allerdings sind deshalb noch lange nicht mehr Besucher im Konzertsaal: „Wer in der Community auf uns aufmerksam wird,“ so Wendel, „kauft nicht gleich eine Karte.“
„Es ist die Frage, wie man seine Ziele definiert“, sagt Christian Holst, Mitorganisator der „stARTconference“ in Duisburg, auf der im September das Potenzial des Web 2.0 mit Experten aus dem Kunst- und Kulturbereich diskutiert wird. Und wen man erreichen möchte. Für das klassische Bildungsbürgertum seien die Netzwerke vermutlich nicht das Mittel der Wahl, für junge Leute dagegen sei es selbstverständlich, sich im Netz zu bewegen.

Direkte Rückmeldung
Das Web 2.0 ersetze nicht andere Medien, betont Holst, sondern sollte zusätzlich bedient werden. Der besondere Reiz daran: „Der Austausch mit dem Publikum und das direkte Feedback.“ Als Geschäftsmodell sei die Sache für traditionelle regionale Kultureinrichtungen derzeit nicht sehr aussichtsreich. Dazu müssten sie sich schon miteinander, mit einer Stadt, mit Hotels oder touristischen Veranstaltern vernetzen.
So weit denken Museen oder Theater der Region noch lange nicht. Das Museumsdorf Cloppenburg etwa war eines der Ersten in Deutschland, das im Internet eine eigene Homepage vorhielt. Die virtuelle Kommunikation kann Direktor Prof. Dr. Uwe Meiners erst im nächsten Haushaltsjahr weiter ausbauen. Er erwarte damit zwar nicht unbedingt mehr Besucher, sagt er, „aber wir müssen uns darauf einstellen, dass Menschen diese Form der Kommunikation zunehmend nutzen“. Sonst gelte man rasch als unmodern oder altbacken – „ein Image, das wir ohnehin mit uns herumschleppen“.
Mit dem neuen Internet-Auftritt seit Mai hat die Emder Kunsthalle dagegen schon die sozialen Netzwerke für sich entdeckt. Der Facebook-Auftritt sei ein „Versuchsballon“ sagt Pressesprecherin Ilka Erdwiens. Bei geeigneten Veranstaltungen – etwa der Museumsnacht – funktioniere das schon super. Man werde von Leuten wahrgenommen, von denen man das gar nicht erwartet.

Schneeball-Effekt
Auf der Internet-Seite des Oldenburgischen Staatstheaters sucht man den Facebook-Link dagegen vergeblich. Gleichwohl ist das Theater im Netz zu finden, aber unaufdringlich, „nicht als Werbung, sondern als echte Kommunikation“, sagt Intendant Markus Müller. Ein bisschen offensiver werde man bei Festivals – etwa bei den Tanztagen – und habe damit seit zweieinhalb Jahren Erfolg. Der Schneeball-Effekt sei zwar enorm, aber er bleibt dabei: „Alles nur sehr dosiert“.


zuletzt geändert am  7.9.10