Artikel zu archäologischen Themen aus der Region, die in der Nordwest-Zeitung erschienen sind

Artikel vom 16.11.2010 - Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline
(Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

„Hexenbett keine archäologische Sensation“
Naturdenkmal Wissenschaftliche Untersuchung des Findlings widerlegt die Thesen von Dirk Faß
Die Archäologen attestieren Faß ein „phantasievolles Fehlurteil“. Das haben die Untersuchungen ergeben.
VON DR. BERND ROTHMANN

Foto: Gründlich gesäubert haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Archäologische Denkmalpflege (Im Hintergrund Dr. Jörg Eckert) den Stein vor der Untersuchung. Bilder: Rothmann

NEERSTEDT - Im Sommer hat der Großenkneter Heimatforscher Dirk Faß von seiner „Neuentdeckung“ bei einem Hexenbett nahe Neerstedt berichtet. Zwischenzeitliche hat sich die Arbeitsgemeinschaft Archäologische Denkmalpflege Oldenburg vor Ort mit dem großen Findling beschäftigt. Diese wissenschaftliche Untersuchung des Hexenbettes kommt zu dem Schluss, dass die Thesen von Faß nicht haltbar sind. Nachfolgend veröffentlicht die NWZ den Text von Dr. Bernd Rothmann, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Archäologische Denkmalpflege Oldenburg:

Bernd Rothmann schreibt
„Am 6. Juli und am 14. September waren in der Nordwest-Zeitung zwei Artikel von Dirk Faß erschienen, in denen dieser die „Neuentdeckung“ eines vorgeschichtlichen, sog. Näpfchensteines bekanntgab. Bei dem Stein handele es sich um das seit langem bekannte „Hexenbett“, das ganz in der Nähe des berühmten Hexensteines vor dem Wehe bei Geveshausen/Ohe in der Nähe von Neerstedt liegt.
In seinem Artikel beschreibt Faß außerordentlich große Näpfchen und zitiert Briefe aus 1955, in denen das Hexenbett als Opferstein bezeichnet wird und zahlreiche Näpfchen und eingeritzte Figuren mit spiralförmigen Hörnern beschrieben werden. Demzufolge müsste das Hexenbett eigentlich eine absolute archäologische Sensation sein. Bisher ist der Stein aber nur als Naturdenkmal ausgewiesen.
Schälchen oder Näpfchen finden sich in der Oberfläche einiger weniger Steine von archäologischen Bodendenkmälern wie Großsteingräbern oder einzelnen Findlingen. Es steht fest, dass sie vor mehreren tausend Jahren von Menschen dort angebracht wurden, ihr Sinn und Zweck ist unbekannt, vermutlich dienten sie zu kultischen Zwecken.

Im September haben Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Archäologische Denkmalpflege unter Leitung des ehemaligen Bezirksarchäologen, Dr. Jörg Eckert, nach Absprache mit allen zuständigen Behörden das Hexenbett genauestens untersucht.
Dazu wurde zuerst das Gesträuch rings um den Stein zurückgeschnitten und der Stein dann mit einem Wasserstrahlgerät gereinigt, damit die Feinstruktur der sogenannte Näpfchen genau betrachtet werden konnte.
Der Findling besteht aus einem noch nicht eindeutig identifizierten Ergußgestein (Granit ?), in das beim Erstarren zahlreiche Einschlüsse eingebettet wurden. Der Stein weist eine stark zerklüftete Oberfläche auf, und da, wo diese Einschlüsse stärkere Verwitterung als das Grundgestein erlitten haben, sind flache Vertiefungen entstanden, die aber meist den Umrissen der Einschlüsse folgen. Typische Näpfchen, wie sie zum Beispiel am Hexenstein oder am Deckstein der Barg­loyer Steinkiste auftreten, waren nicht zu erkennen.

„Keine Opferkuhle“
Die Untersuchung hat somit eindeutig ergeben, dass keine künstlichen Näpfchen oder Schälchen vorhanden sind. Das Hexenbett wird also auch zukünftig nicht zum archäologischen Bodendenkmal deklariert. Es handelt sich allerdings aufgrund seiner Gesteinsstruktur um einen recht außergewöhnlichen Findling.
Eine Messung ergab, dass der Stein ca. 2,90 x 1,90 m groß ist. Wie tief er im Boden steckte, war nicht zu ermitteln.
Mittig ist eine große Einwölbung vorhanden, die bei Dirk Faß als Opferkuhle bezeichnet wird. Die alten Bewohner Ohes und Geveshausens haben das glücklicherweise etwas weniger dramatisch gesehen, und diese Mulde lediglich so gedeutet, dass darin die Hexen geschlafen haben. Daher der Name „Hexenbett“.
Der von Faß stolz als Entdeckung einer der „größten Sehenswürdigkeiten von Oldenburg“ bezeichnete Findling ist bei genauer Prüfung keine ,archäologische Sensation’. Daher ist er auch nicht in die Liste der archäologischen Denkmäler aufgenommen worden. Hätte Dirk Faß sich bei den Fachleuten vorher sachkundig gemacht, wäre ihm sein phantasievolles Fehlurteil erspart geblieben.“


Ist und bleibt ein Naturdenkmal: der Findling Hexenbett bei Neerstedt      Vertiefungen wie diese sind nicht von Menschenhand gemacht

--> siehe auch den ausführlichen Untersuchungsbericht


Artikel vom 24.11.2010 - (Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)
Antwort von Dirk Faß auf obige Untersuchung

"Naturdenkmal bei einer Wanderung aufsuchen"
FINDLING
   Dirk Faß bezieht Stellung zur Untersuchung des Hexenbetts bei Neerstedt

NEERSTEDT/LD - Über das Ergebnis einer näheren Untersuchung eines großen Findlings bei Neerstedt, dem sagenannten Hexenbett, durch die Arbeitsgemeinschaft Archäologische Denkmalpflege Oldenburg hatte die NWZ am 16. November unter der Überschrift "Hexenbett keine archäologische Sensation" berichtet. Darin war es auch um Aussagen des Sager Heimatforschers Dirk Faß gegangen.
Faß reagiert in einer Stellungnahme wie folgt:
"In meinem Aufsatz habe ich kein eigenes Urteil abgegeben, sondern aus den Schriften von Museumsdirektor a. D. Karl Michaelsen, Prof. Dr. Roeper-Bosch, Utrecht und Friedrich Hirsch zitiert. Auch war nie die Rede von einer ... archäologischen Sensation ... Friedrich Hirsch schrieb 1955 am Schluss seines Briefes: „Es dürfte in Kürze eine der größten Sehenswürdigkelten von Oldenburg werden.“
Ich habe keine eigenen Thesen aufgestellt, die man mir als phantasievolles Fehlurtell anlastet. Auch habe ich mehrmals versucht, mit der obersten Fachkraft Kontakt aufzunehmen. Es kam keine Reaktion. Dennoch freue ich auch, dass das Herenbett einer genauen Untersuchung unterzogen wurde. Immerhin ist bekannt geworden: ... Der Findling besteht aus einem noch nicht eindeutig irtentifizierten Ergußstein (Granit?)... ... Es handelt sich allerdings aufgrund seiner Gesteinsstruktur um einen recht außergewöhnlichen Findling ... Ich denke, dass dieses Ergebnis dazu einlädt, das Naturdenkmal bei einer Wanderung aufzusuchen, zumal er jetzt freiliegt und gereinigt wurde."


Artikel vom 06.07.2010 - Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline
(Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)
Der gleiche Artikel ist in etwas anderer Aufmachung am 18.09.2010 nochmals im "Nordwest-Heimat"-Teil der NWZ erschienen.

Ein vergessener Kultstein in der Gemeinde
Fundstück     Heimatforscher entdeckt „Hexenbett“ in Nähe vom Hexenstein – Symbolische Bedeutung
Das „Hexenbett“ weist Merkmale eines Opfersteines auf. Heimatforscher Dirk Faß aus Sage-Haast und sein Sohn Steffen sowie Hermann Speckmann aus Ganderkesee erkunden den Stein.
VON DIRK FAß

Foto: Heimatforscher Dirk Faß (rechts) und Hermann Speckmann, Heimatforscher aus Ganderkesee (hinten). Sohn Steffen Faß malt die Runen-Symbole nach.   BILD: Tanja Mikulski

DöTLINGEN - Wie im weiteren nordeuropäischen Gebiet haben wir auch im Oldenburger Land „heilige“ Steine neben anderen Altertümern, die uns kultische Bräuche unserer Vorfahren aus der Jüngeren Steinzeit bezeugen. Es sind die Schalen- Grübchen- oder Näpfchensteine, von denen in unserem Land bisher zwei bekannt geworden sind: der sogenannte Hexenstein bei Ohe und der Deckstein der „Steinkiste“ von Bargloy. Sie sind selbst den an der Urgeschichte des Landes interessierten Heimatfreunden wenig bekannt, verdienen aber als Vorzeitdenkmale besonderer Art die Aufmerksamkeit weiterer Kreise (soweit Museumsdirektor a. D. Karl Michaelsen, Nordwest-Heimat, 5. Januar 1952). Mittlerweile kam als größter erratischer Block der „Kapetstein“ in Bissel hinzu.

Symbolische Schalengruben
Doch nun ist ein weiterer bekannt – das „Hexenbett“ im Wehe. Dieses steinzeitliche Denkmal liegt, abgelegen im Randbereich eines Buchenmischwaldes, genannt „Wehe“ (Wald), ganz in der Nähe des Hexensteines in der Gemeinde Dötlingen. Dieser Findling, genannt „Hexenbett“, ist im Gegensatz zum nahegelegenen Hexenstein geradezu unbekannt. Wir finden ihn weder in den Werken „Archäologische Denkmäler zwischen Weser und Ems, im Band 31 – Führer zu archäologischen Denkmälern in Stadt und Land Oldenburg,“ noch in dem lokalen Werk über die Frühgeschichte der Gemeinde Dötlingen von Horst Wichmann.
Auf dem Hexenbett befinden sich zahlreiche Schalengruben, sogenannte Näpfchen, daher könnte die Aussage über den Hexenstein von Karl Michaelsen, auch für das Hexenbett zutreffen: „Diese Schalengruben finden sich im ganzen Kreis der Megalithkultur außer auf ‚erdfesten’ Steinen, wie dem Hexenstein, auch sonst sehr oft auf Decksteinen, Einfassungs- oder Schwellensteinen von Riesensteingräbern und über dieses Gebiet hinaus noch auf den britischen Inseln, in Frankreich, den Mittelmeerländern (einschl. Nordafrika) und im Orient. Die Sitte ihrer Anbringung durch Steinbohrgeräte verbreitete sich offensichtlich mit dem Steingräbervolk durch ganz Europa. Über ihre symbolische Bedeutung bestehen verschiedene Ansichten, doch werden sie zumeist mit bestimmten damals herrschenden religiösen Vorstellungen und Bräuchen in Verbindung gebracht, weil sie häufig mit anderen ‚heiligen’ Zeichen, wie eingeschlagene Ringe, Räder, Rinnen, paarweise Hand- und Fußbilder (Sinnbilder der Sonne und von Gottheiten) kombiniert sind.

Totenopfer an Grabsteinen
Auch die Gleichzeitigkeit ihrer Anbringung ist nicht immer sicher, weil Volksglaube und Brauchtum sich auch in späterer Zeit an solchen Stellen betätigt haben können. …Vielleicht wurde bei gewissen Feierlichkeiten die Feuererzeugung durch Priester unter Kulthandlungen vorgenommen, so dass die Grübchen für die Sonnengottheit schließlich symbolische Bedeutung bekamen und dann auch für Opfergaben allgemein Verwendung fanden (Totenopfer an Grabsteinen!).
…Nach dem bekannten Erforscher der Urreligionsgeschichte und der atlantisch-europäischen Megalithreligion, Prof. Dr. Roeper-Bosch, Utrecht, waren sie neben den eingemeißelten Fußsohlen und Händen Symbole des Agni-Frey, „des Sohnes des Himmels und der Erde, als Jahrgott und Kinderbringer, der zur Zeit der Wintersonnenwende die Ahnenseelen zur Wiedergeburt aus dem Himmelshaus in den Mutterschoß der Erde bringt.“

Hexenbett als Opferstein
Auszug aus der Korrespondenz zwischen Friedrich Hirsch Göttingen an Hermann Hibbeler Lethe über das Hexenbett 1955: …Dieser grobviereckige Stein, flach in der Erde liegend, ist nach meiner Meinung ein Opferstein, wozu ihn die Längseinsenkung, nach Norden „abfließend“, bestens geeignet machen musste. Auch dieser Stein ist reichlich mit Näpfchen versehen, aber, was nun viel merkwürdiger ist, er hat auf einer dreieckigen steilen Vertiefung am Südende der Ostkante eine Felsritzung, die nur noch in Südschweden Gegenstücke hat. …Achten sie darauf, dass das linke spiralförmige Horn dieser Figur durch eine Reihe Näpfchen bezeichnet wird. Auch der kreisförmige Leib hat im linken oberen Teil mindestens vier Näpfchen. Schwach markiert, trotzdem unverkennbar, sind zwei Strichbeine. Undeutlicher ist das rechte Horn, das nach oben in eine Rinne der Oberfläche übergeht. Also auch hier der Gedanke, dass von der Sonne Feuer genommen oder aber ihre Hörner geölt werden. ...Es dürfte in Kürze einer der größten Sehenswürdigkeiten von Oldenburg werden.“

(Quellen: K. Michaelsen, Nordwest-Heimat, 5. Januar 1952; Friedrich Hirsch, 2. Dezember 1955)


Anmerkung des Webmasters (B. Rothmann):
Der oben zitierte Prof. Dr. Roeper-Bosch ist besser unter dem Namen Hermann Wirth bekannt (vollst. Name: Prof. Dr. Hermann Wirth Roeper Bosch) und ein sehr umstrittener Urreligionswissenschaftler aus dem Dritten Reich und gemeinsam mit Heinrich Himmler der Begründer des sog. "Ahnenerbes".

mehr zu Hexenstein und Hexenbett auf www.steinzeugen.de


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am  25.11.10